Ready-made und Konstruktion
Spätestens seit Adolf Loos das Ornament zum Verbrechen erklärte, sind die Fronten klar: Geometrie gegen Ornament. Gemeint ist das organische Ornament, das von der Renaissance bis zur Industrialisierung die Dekors bestimmte. Auf den Bildern von Chris Popovic treffen beide Realisierungen zusammen. Die Künstlerin kombiniert die traditionellen Medien Leinwand, Farbe, Malgrund mit dem ready-made-haften Material von Matratzenstoffen. Die Spannung dieser Bilder entsteht aus der Konfrontation der organischen Ornamente, die die Stoffe mitbringen und der geometrisch-mathematischen Konstruktion aus Quadraten, Rechtecken, Streifen. Im Zeichen des Verdrängungskampfes, den das Industriedesign gegen das berkommene organische Ornament von Anfang an führt, outen sich die stilisierten Pflanzendekors als der kunstgeschichtliche Trash, als den Chris Popovic sie in Szene setzt, wenn sie mit zum Teil vergammelten Matratzenstoffen kalkuliert, wobei das Assoziationsfeld sich noch zusätzlich auflöst, wenn das Organische als das Intimste des vor allem fremden Körpers lesbar wird und mit archaischen Reflexen wie dem Ekel spielt. Den cleanen Gegenpol bildet die Geometrie, die exakten ästhetischen Farbfelder, die zusammen den programmatischen Verweis auf die konkrete Kunst bilden. So wird das Tafelbild bei Chris Popovic nicht nur zum Display einer kunstgeschichtlichen Auseinandersetzung sondern auch einer künstlerischen Synthese aus Ordnung, Abweichung und Spur.
Herbert M. Hurka
hmh/4/05
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